Print Friendly, PDF & Email

Große Vermögensverwalter wie BlackRock, Vanguard, State Street und Fidelity haben über die letzten Jahre die Kontrolle über immense Summen an Kapital erworben. Alleine BlackRock kontrolliert eine Summe, die größer ist als die Wirtschaftsleistung Deutschlands. Diese Fonds sind hochdiversifiziert und dadurch in sehr vielen Unternehmen die größten Investoren – zum Beispiel sind die größten Anteilseigner sowohl an Apple als auch an Microsoft Vanguard und BlackRock. Und bei den sechs größten US-Banken ist das Bild noch klarer: In jeder dieser Banken sind fünf der sechs größten Investoren identisch. Eine dieser Banken wiederum, PNC, ist der größte Anteilseigner von BlackRock.

Doch jeder dieser Fonds fliegt normalerweise unter dem Radar der Wettbewerbshüter, da sie üblicherweise nur 5%-7% an einzelnen Firmen halten.

Es stellt sich die Frage: Führt diese riesige Akkumulation von Kapital zu einer Wettbewerbsverzerrung? Ist common ownership eine moderne Form der altbekannten Kartelle oder eine neue Art Monopol? Kann man den Treuhändern trauen oder braucht es einen neuen Ansatz in der Wettbewerbspolitik? Die Europäische Kommission sollte sich dieses Themas annehmen.

Ich habe, gemeinsam mit meinerliberalen ALDE Fraktion, bereits im Oktober eine Anfrage an die Europäische Kommission gestellt und dabei genau diese Fragen aufgeworfen: Hat die „Common Ownership“ einen negativen Einfluss auf Preise und Innovation in Europa? Wird die Kommission Schritte unternehmen, um hier den Wettbewerb durchzusetzen?

Bei der Veranstaltung „Saving capitalism from the capitalists?“, deren Gastgeber ich war, machte der Volkswirt Prof. Dr. Martin Schmalz – einer der führenden Forscher zu diesem Thema – einige grundlegende Punkte klar:

“Es gibt jetzt Evidenz für Kausalität: Common Ownership führt zu höheren Preisen – zumindest in jenen Branchen, für die wir Produktpreisdaten finden konnten. Aber es geht hier nicht zwingend um Kollusion, es geht darum dass es von Anfang an reduzierte Anreize für Wettbewerb gibt.

Und Unternehmen haben Anreize, sich entsprechend der Anreize ihrer größten Investoren zu verhalten. Viele dieser Investoren haben „passive“ Investmentstrategien, aber verhalten sich keineswegs passiv was die Unternehmensführung angeht. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, ihre Anreize durchzusetzen. Tatsächlich haben sie eine treuhänderische Pflicht, sich in die Governance einzumischen und auch mit den von ihnen verwalteten Anteilen abzustimmen.“

Prof. Dr. Giulio Federico von der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission machte deutlich, dass die Kommission das Thema auf dem Schirm hat, jedoch weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf europäische Märkte benötigt.

Peter de Proft, Generaldirektor der European Fund and Asset Management Association, zeigte Beispiele auf, in denen vertikale Integration sich positiv auf das Gesamtwirtschaftliche Ergebnis auswirkte. Außerdem machte er deutlich, dass seiner Ansicht nach Investmentfonds an einer positiven langfristigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung interessiert seien und daher Wettbewerb positiv gegenüberstünden.

Mein Fazit aus der Veranstaltung: Don’t trust the trusts. Die Wettbewerbshüter von EU-Kommission und Monopolkommission sollten ein sehr waches Auge auf die großen Vermögensverwalter werfen.

Comments are closed.